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WHATSAPP & WAHNSINN

104 Chats und 19 Gruppen – ich wusste gar nicht, dass ich so viele Menschen kenne. Mein Verlauf bietet Lektüre auf Lebenszeit aus jeder Lage: Date-Auswertungen, Meeting-Besprechungen, Urlaubsplanung, Partymomente oder Foto der letzte Weisheitszahn-OP. Nicht nur mein Alltag, sondern mein ganzes Leben ist in WhatsApp. Ein Leben ohne? Für mich nicht mehr vorstellbar – oder doch?

Immer mehr Menschen verbannen die App vor allem wegen den Datenschutzbestimmungen aus Ihrem Alltag. Ich weiß, dieses Thema polarisiert, aber mir sind meine Daten ziemlich egal. Alles was es an Datenmagneten gibt, habe ich und nutze ich. Auch wenn Google & Co. mehr über meine Persönlichkeit wissen, als ich selbst, hält mich das nicht von der Nutzung ab – und schon gar nicht von WhatsApp.

Der einzige Beweggrund mich davon zu entfernen, ist die Tatsache, dass ich diesen Service fast 3 Stunden täglich nutze. 21 Stunden in der Woche, fast 4 Tage im Monat oder 48 Tage im Jahr verbringe ich meine wertvolle Lebenszeit mit Emojis, Sprachnachrichten und Co. Jetzt ist Schluss damit – ich mache eine WhatsApp Diät! 

Warum ist die Anziehung so groß? 

Dr. Daniela Otto von der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich seit Jahren der digitalen Nabelschnur. Der Mensch sei ein Bindungswesen und auf soziale Nähe angewiesen. Allerdings leben wir in einer Zeit in der Familien oder Ehen uns nicht mehr den gewünschten Halt geben. Individualisierungen und Vereinzelungen erwecken in uns die Sehnsucht nach einer Verbundenheit. Digitale Medien setzen genau an diesem Punkt an. Sie geben uns das Gefühl nicht alleine zu sein und wirken damit der Urangst vor Einsamkeit entgegen. 

Schluss damit: 48 Tage im Jahr verbringe ich meine wertvolle Lebenszeit mit Emojis, blauen Häkchen & Co. 

Ist es nicht schlimm, dass wir nicht nur beruflich, sondern sogar privat von der permanent Erreichbarkeit gestresst sind? Jeder Dritte, empfindet laut Otto, die Erreichbarkeit in seiner Freizeit als Belastung. Ständig getrieben auf das Handy zu schauen, fast in Echtzeit zu antworten und mehrere Themen gleichzeitig bearbeiten. Wir sind überfordert, ohne das wir es merken. Unsere Konzentrationsfähigkeit sinkt und was ich fast am schlimmsten finde: Stille und Zeit mit uns alleine können wir fast nicht mehr aushalten. Das Gute daran, der Konsum liegt wie bei jeder Sucht, in unserer eigenen Hand. Also: nach der Einsicht, kommt die Besserung. 

Mein neues Motto: Weniger Online, mehr Leben. 

Zuerst habe ich alle 19 Gruppen auf “stumm” geschaltet – was eine Erleichterung. Keine Benachrichtigungen mehr aus dem Familien-Chat und keine Baby-Bilder von den Freundinnen – nur noch dann, wenn ich es wünsche. Auch die blauen Haken gibt es bei mir nicht mehr und mein der “Zuletzt-Online-Status” ist auch verschwunden.

Ganz und gar auf WhatsApp verzichten? Puh – ich glaube das schaffe ich nicht, aber mein Leben ist seit den neuen Regeln wirklich entspannter geworden. Schon kleine Änderungen in deinem Verhalten können für ein ganz anderes Bewusstsein und einen neuen Umgang mit den Medien sorgen. Bald ist ja auch wieder Fasten-Zeit. Vielleicht probiere ich das mal: 40 Tage ohne WhatsApp. Wer traut sich noch?

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